Tyvek oder XFOIL, die Polycro-Alternative: Zeltunterlagen im Datenvergleich
Vorweg: XFOIL ist nicht besser als Tyvek. Jedes der beiden Materialien passt zu einem anderen Einsatz. Tyvek verzeiht groben Umgang. XFOIL ist leichter, kleiner im Packmaß und wasserdicht. Im Netz werden die beiden fast immer anekdotisch verglichen, nach dem Muster „bei mir hat es gehalten“. Wir legen hier die Datenblätter nebeneinander und sagen dazu, was sich aus ihnen ablesen lässt und was nicht.
Wer das hier schreibt
Wir verkaufen XFOIL, kein Tyvek. Deshalb gelten für diesen Artikel drei Regeln, die du nachprüfen kannst.
Jede Zahl stammt aus einem Datenblatt und wird mit der Prüfnorm genannt. Wo wir umrechnen, steht die Rechnung da.
Die Tyvek-Werte kommen von DuPont, die Quellen sind verlinkt.
Wo Tyvek besser abschneidet, steht das ohne Einschränkung im Nachsatz.
Welches Tyvek ist gemeint?
Tyvek ist eine Produktfamilie mit vielen Sorten und Dicken. Wandernde kaufen meist die weichen Sorten 1442R und 1443R mit 43 g/m². Daneben gibt es festere, papierartige Sorten wie 1056D mit 55 g/m² und 175 µm, und am Bau liegt Tyvek HomeWrap, das wieder andere Werte hat. Wer Tyvek vergleicht, sollte also dazusagen, welches. In der Tabelle stehen die weichen Sorten.
Die geprüften Werte
Eigenschaft | Tyvek 1443R | Tyvek 1442R | XFOIL |
Flächengewicht | 43 g/m², ASTM D3776 | 43 g/m², DIN EN ISO 536 | 18 g/m² |
Dicke | 155 µm, ASTM D1777 | 145 µm, DIN EN ISO 534 | 19 µm |
Zugfestigkeit längs / quer | 49 / 48 N je 2,54 cm, ASTM D5035 | 44 / 38 N je 2,54 cm, DIN EN ISO 1924-2 | 135 / 125 N/mm², ASTM D882 |
Dehnung längs / quer | 11 % / 20 % | keine Angabe | 130 % / 120 % |
Weiterreißfestigkeit | 9,8 N, ASTM D2261 | 11,2 / 11,0 N | 17,5 / 16,5 g, ASTM D1922 |
Aufbau | Spinnvlies aus HDPE-Fasern | Spinnvlies aus HDPE-Fasern | quervernetzte Polyolefinfolie, unperforiert |
Die Spalten nutzen unterschiedliche Prüfnormen. Die Weiterreißwerte sind nicht direkt vergleichbar: Tyvek ist im Tongue-Tear-Verfahren geprüft, XFOIL nach Elmendorf.
Zugfestigkeit: kein Sieger
Die Werte stehen in verschiedenen Einheiten, weil Vlies und Folie nach verschiedenen Normen geprüft werden. Umgerechnet auf denselben Streifen von 2,54 cm Breite sieht es so aus:
XFOIL: 135 N/mm² × 0,019 mm = 2,57 N je mm Breite, also rund 65 N.
Tyvek 1443R (43 g/m²): 49 N, ASTM D5035.
Tyvek 1442R (43 g/m²): 44 N, DIN EN ISO 1924-2.
Tyvek 1056D (55 g/m²): 120 N, DIN EN ISO 1924-2.
Gegenüber den weichen Sorten liegt XFOIL in diesen Datenblättern vorn, die festere Sorte 1056D liegt deutlich darüber. Prüfverfahren und Prüfgeschwindigkeit unterscheiden sich außerdem. An der Zugfestigkeit entscheidet sich die Wahl deshalb nicht, sondern an Wasserdichtigkeit, Gewicht und dem Verhalten bei Beschädigung.
Wasserdichtigkeit: XFOIL ist dicht, Tyvek nicht
XFOIL ist eine geschlossene Folie ohne Poren und damit wasserdicht, solange sie kein Loch hat.
Tyvek ist ein Vlies aus Fasern. Es ist wasserabweisend, aber nicht wasserdicht: Unter Druck, etwa wenn du auf nassem Boden kniest oder liegst, kann Wasser durchkommen. In den Datenblättern der weichen Sorten 1442R und 1443R steht keine Wassersäule.
Dazu kommt die Alterung. Tyvek wird durch Knicken und Knüllen weicher, weil sich der Faserverbund lockert. Das Datenblatt nennt dafür eine Delaminationsfestigkeit von nur 0,25 bis 0,58 N. Mit jeder Tour lässt die Bahn deshalb mehr Wasser durch, und irgendwann auch Schmutzwasser vom Boden. Eine Messreihe dazu ist uns nicht bekannt, das ist Erfahrung aus der Praxis.
Unter XFOIL kann sich morgens etwas Kondensat sammeln. Das wischst du beim Abbau ab. Unter Tyvek bleibt eher weniger Kondensat, weil das Vlies Dampf durchlässt.
Gewicht und Packmaß
Gerechnet für 1,5 m², einen üblichen Zuschnitt für ein Einpersonenzelt:
Bei 1,5 m² | XFOIL | Tyvek 1443R |
Gewicht | rund 27 g | rund 65 g |
Materialvolumen | rund 29 cm³ | rund 233 cm³ |
Das Volumen ist Fläche mal Dicke. Gefaltet kommt bei beiden Luft dazu, das Verhältnis bleibt. XFOIL passt gefaltet in eine Seitentasche, Tyvek bleibt ein flaches Paket.
Grober Umgang: hier liegt Tyvek vorn
Tyvek besteht aus einem Fasernetz, das einen Riss bremst. XFOIL hat kein solches Netz: Ist einmal ein Loch drin, kann ein Riss unter Zug weiterlaufen. Wer den Schlafplatz vor dem Aufbau nicht gründlich nach Dornen, spitzen Steinen und Ästen absuchen will und auch mal auf der Unterlage sitzt oder packt, ist mit Tyvek besser bedient.
Mit XFOIL schaust du dir den Platz vorher an und räumst Dornen und spitze Äste weg. Ein kleines Loch klebst du mit einem Stück Klebeband ab.
Reinigung
XFOIL hat eine glatte, geschlossene Oberfläche. Abspülen, abwischen, kurz trocknen lassen, dann ist sie wieder einpackfertig, auch unterwegs am Bach.
Tyvek hält Staub, Sand und Lehm in der Faseroberfläche fest und trocknet langsamer.
Haltbarkeit
Nach Erfahrungsberichten hält Tyvek auch bei grobem Umgang viele Saisons, wird dabei aber weicher und lässt mit der Zeit mehr Wasser durch. Messreihen dazu kennen wir nicht.
XFOIL hält bei entsprechender Pflege viele hundert Kilometer. Es gibt Berichte von Wandernden, die damit den Pacific Crest Trail gelaufen sind, mit etwas Klebeband für Reparaturen im Gepäck. Sie bleibt dabei wasserdicht, solange du Löcher abklebst.
Für wen welches Material passt
Tyvek passt zu dir, wenn du grob mit deiner Ausrüstung umgehst, deinen Schlafplatz nicht gründlich absuchen willst, die Unterlage auch als Sitz- und Packfläche nutzt und dir Gewicht und Packmaß nicht so wichtig sind. Dass Tyvek nicht wasserdicht ist und mit der Zeit mehr durchlässt, nimmst du in Kauf.
XFOIL passt zu dir, wenn Gewicht und Packmaß zählen, du eine wasserdichte Schicht zwischen Boden und Zelt willst und bereit bist, den Platz kurz abzusuchen und ein Loch abzukleben.
Wie sich XFOIL von Fensterisolier- und Verpackungsfolien unterscheidet, steht in unserem Folien-Guide.
Quellen
XFOIL: eigenes Datenblatt





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