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Polycro, Polycryo, xfoil, Fensterisolierfolien und noch mehr...

12. Sept. 2024
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Okt.


Glossar der Ultraleicht-Folien: Technische Eigenschaften, Unterschiede und Einsatzbereiche


In der Ultraleicht- und Weitwanderszene gibt es eine ständige Suche nach noch leichteren, effizienteren Materialien. Seit einigen Jahren stehen dabei auch Folien im Fokus. Hochspezialisierte, quervernetzte Folien sind sehr leicht und wasserdicht, und ihre Zugfestigkeit kann mit gleich schweren Geweben mithalten. Aber wie bei allen Materialien gibt es Vor- und Nachteile. Dieser Beitrag soll Licht ins Dunkel bringen, indem er die unterschiedlichen Folienarten, ihre technischen Eigenschaften und ihre Einsatzmöglichkeiten im Ultraleichtbereich beleuchtet.


Allerdings sind in der Community viele Begriffe gebräuchlich, die teilweise dasselbe Material, aber auch oft ganz unterschiedliche Materialien bezeichnen. Das führt nicht selten zu Verwirrung, besonders wenn es um Folien geht, die für spezifische Einsatzzwecke wie Groundsheets oder Tarps verwendet werden. Um hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, werden wir im Folgenden die gängigsten Bezeichnungen und Materialien erklären und zeigen, welche Eigenschaften und Unterschiede tatsächlich hinter diesen Namen stecken.


Warum Folien?


Folien sind ein interessantes Material für Ultraleicht-Enthusiasten. Sie sind leicht, wasserfest und lassen sich kompakt verstauen. In ihrer fortschrittlichen Form – etwa quervernetzte Polyolefin-Folien – können sie in einigen Bereichen mit traditionellen Outdoor-Stoffen konkurrieren, sind dabei aber wesentlich leichter bzw. günstiger. XFOIL erreicht bei 18 g/m² eine Zugfestigkeit in der Größenordnung eines gleich schweren 7D-Ripstop-Nylons (170 / 110 N pro 5 cm nach ISO 13934-1, XFOIL umgerechnet rund 128 / 119 N). Anders als dieses Gewebe ist XFOIL wasserdicht. Beim Weiterreißen sind Gewebe im Vorteil. Allerdings sind sie nur in manchen Eigenschaften überlegen: Die Weiterreißfestigkeit und Durchstichfestigkeit sind in der Regel geringer als bei Geweben, was die Reparaturanforderungen auf Tour beeinflusst.

Was Zugfestigkeit, Weiterreißfestigkeit und Durchstoßfestigkeit genau messen und welche Normen dahinterstehen, erklären wir in Wie stabil ist Polycro wirklich?. Wie du Dicken- und Gewichtsangaben selbst nachrechnest, steht in unserem Artikel zu Mikrometer, Mil und g/m².


Polycro bzw. Polycryo


Der Name "Polycro" oder "Polycryo" stammt wahrscheinlich aus der Ultraleicht-Wanderszene und bezeichnet eine dünne Plastikfolie, die häufig als Groundsheet verwendet wird. Der Begriff leitet sich wahrscheinlich von "Polyolefin" ab, der Polymerfamilie, zu der das Material gehört, und "cryo" von Kälte, da die Folien erstmals aus dem Bereich der Fensterisolationsfolien genutzt wurden. Das "cro" in Polycro stammt wahrscheinlich von "cross-linked", also "quervernetzt". Obwohl die genaue Herkunft nicht sicher ist, hat sich dieser Name in der Szene etabliert.


Manche spezielle Isolierfolien haben eine metallisierte Schicht (wie Aluminium), um Strahlungswärme zu reflektieren. Andere isolieren, indem sie eine Luftschicht schaffen, die den Wärmeaustausch durch Konvektion reduziert. Was jetzt wirklich gekauft wird, ist damit unklar, und ob die Folie quervernetzt ist, wird dabei nie angegeben. Und das macht es schwer, das Material miteinander zu vergleichen.


Da diese Folien als temporäre Fensterisolierung gedacht sind, sind sie in der Regel nicht quervernetzt. Quervernetzung macht das Material robuster und widerstandsfähiger gegen Abnutzung, würde es aber auch steifer machen. Quervernetzte Folien werden häufiger in Hochleistungsanwendungen verwendet, wo Langlebigkeit und Beständigkeit gegen Durchstich oder Dehnung wichtig sind.


Nun werfen wir einen detaillierten Blick auf die verschiedenen Folientypen:



Querverbundene Polyolefin-Folien / Polycro / Polycryo


Material: Hochwertiges, quervernetztes Polyolefin, meist mehrschichtig.


Einsatzbereich: Ideal für den anspruchsvollen Einsatz im Ultraleicht-Bereich. Ob als Groundsheet, Tarp oder für andere Schutzanwendungen – diese Folien bieten ein exzellentes Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit.


Stärken: Sehr geringes Gewicht bei einer Zugfestigkeit auf dem Niveau gleich schwerer Gewebe (XFOIL: 135 / 125 N/mm² nach ASTM D882), quervernetzt für zusätzliche Robustheit und langlebiger bei mechanischer Beanspruchung


Schwächen: Die Weiterreißfestigkeit und Durchstichfestigkeit sind im Vergleich zu Geweben geringer.


Reparierbarkeit: Einfach bis mittel – Klebeband reicht oft aus, um die Folie dauerhaft zu reparieren, je nach Dicke und Struktur der Folie.



Tesa Moll / Fensterisolierfolien


Material: Polyethylen, gelegentlich Polypropylen


Einsatzbereich: Fensterisolierfolien werden aufgrund ihrer Leichtigkeit und Wasserdichtigkeit oft als kostengünstige Alternative verwendet.


Stärken: Sehr leicht, wasserdicht, leicht zu beschaffen.


Schwächen: Meist nicht quervernetzt, was die Robustheit einschränkt. Sie sind für geringe mechanische Beanspruchungen (auf Fenster aufbringen) ausgelegt und nicht für harsche Outdoor-Bedingungen.


Reparierbarkeit: Einfach – kann leicht mit Klebeband repariert werden.



Matratzenverpackungen (Baumarkt)


Material: LDPE (Low-Density Polyethylen)


Einsatzbereich: Diese Verpackungsfolien sind robust und wasserdicht, aber schwerer und dicker als spezialisierte Outdoor-Folien. Sie werden oft als preiswerte Alternative verwendet.


Stärken: Sehr stabil und widerstandsfähig.


Schwächen: Zu schwer und dick für den Ultraleicht-Bereich, besonders im Vergleich zu quervernetzten Folien.


Reparierbarkeit: Mittel – Kann mit robustem Klebeband repariert werden, jedoch ist die Dicke der Folie oft ein Hindernis.



IKEA-Verpackungsfolien


Material: LDPE oder HDPE


Einsatzbereich: Verpackungen von IKEA (z.B. für Matratzen) werden gelegentlich von Ultraleicht-Wanderern recycelt und als Groundsheets verwendet.


Stärken: Sehr robust, reißfest und wasserabweisend.


Schwächen: Zu dick und schwer für Ultraleicht-Zwecke. Diese Folien sind für den Schutz von Produkten ausgelegt, bei denen Gewicht keine Rolle spielt.


Reparierbarkeit: Mittel – Kann mit starkem Klebeband repariert werden, jedoch ist die Handhabung aufgrund der Dicke schwerer.



Stretchfolie (Pallet Wrap, wird eher in den USA genutzt)


Material: LLDPE (Linear Low-Density Polyethylen)


Einsatzbereich: Diese dehnbare Folie wird hauptsächlich zum Verpacken von Paletten verwendet, aber auch von Wanderern für leichte Schutzhüllen genutzt.


Stärken: Sehr dehnbar, leicht und preiswert.


Schwächen: Geringe Reiß- und Durchstichfestigkeit. Nicht für raue Outdoor-Anwendungen geeignet.


Reparierbarkeit: Schwer – Da Stretchfolie sehr dünn und dehnbar ist, lässt sie sich nicht gut reparieren.



Wann ist eine Folie die richtige Wahl?


Folien eignen sich besonders, wenn das Gewicht eine entscheidende Rolle spielt und mechanische Belastungen gering sind. Sie bieten eine hervorragende Wasserdichtigkeit und Zugfestigkeit bei sehr geringem Gewicht, sind jedoch in puncto Durchstich- und Weiterreißfestigkeit schwächer. Allerdings sind sie als ultraleichtes Groundsheet sehr gut geeignet, solange der Lagerplatz vorher auf Dornen etc. kontrolliert wird. Ein spitzer Stein alleine reicht für eine Beschädigung nicht aus. Es gibt genug Beispiele von Weitwandernden, die den PCT mit einer Folie ohne Beschädigungen gegangen sind. Besonders quervernetzte Folien bieten heutzutage eine beeindruckende Kombination aus Festigkeit und Leichtigkeit, können aber in extremen Situationen empfindlicher sein als Gewebe.

Welche Größe zu welchem Zelt passt, zeigt unser Größen-Guide, und einen Vergleich von Folie, Tyvek, DCF und anderen Materialien findest du in Zeltunterlage ultraleicht im Vergleich.


Reparierbarkeit auf Tour


Querverbundene Folien lassen sich gut mit Klebeband reparieren, was sie ideal für längere Touren macht. Nicht-quervernetzte Folien sind in der Regel weniger robust und erfordern häufigere Reparaturen. Im Gegensatz zu Stoffen können Folienrisse oft schnell und dauerhaft geflickt werden, solange das Material nicht zu stark beschädigt ist.

Welche Klebebänder auf Folie zuverlässig halten, steht in unserem Klebeband-Guide.


Fazit


Folien haben sich im Ultraleicht- und Weitwanderbereich als interessante Alternative etabliert. Sie bieten eine hohe Zugfestigkeit bei minimalem Gewicht und sind oft günstiger als Gewebe. Allerdings ist ihre Anfälligkeit gegenüber Rissen und Durchstichen eine Herausforderung, die je nach Anwendung und Belastung berücksichtigt werden muss. Querverbundene Folien stehen in puncto Leistung an der Spitze, während Fensterisolier- und Verpackungsfolien einfache, aber weniger robuste Alternativen darstellen. Wichtig ist jedoch, dass jede Folie ihre Berechtigung hat. Wenn deine aktuelle Folie bzw. Groundsheet ihren Zweck erfüllt, ist es sinnvoll, sie so lange wie möglich zu nutzen, anstatt sofort auf ein neues Material umzusteigen. Dieser Beitrag soll keine Materialien schlechtmachen, sondern Klarheit in den Begriffsdschungel bringen.

Warum wir überhaupt ein Kunststoffprodukt verkaufen und was das für sein Lebensende bedeutet, besprechen wir offen in Das Plastik-Dilemma.


Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass die Angaben zu den verschiedenen Materialien (z. B. Matratzenverpackungen bestehen aus LDPE), auf unserem aktuellen Kenntnisstand basiert und nicht notwendigerweise für alle Produkte auf dem Markt gilt. Oftmals werden die spezifischen Materialbezeichnungen nicht angegeben, was einen erheblichen Nachteil bei der Bewertung und Vergleichbarkeit der Folien darstellt. Dieses Thema ist äußerst spannend und wir laden alle Leser ein, ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen dazu in den Kommentaren unten zu teilen.

 
 
 

1 Kommentar


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Gast
12. Sept. 2024

Hmm, danke für den Beitrag, auch wenn der Artikel etwas lesbarer sein könnte. Aber da habt ihr einen Punkt, da wird ganz schön viel durcheinander geworfen was die Bezeichnungen angeht. Auch von mir...

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